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Alfons Kempe und seine Familie – ein Fluchtschicksal

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© Stiftung Kulturwerk Schlesien

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Der Koffer von Alfons Kempe.

Alfons Kempe und seine Familie – ein Fluchtschicksal

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Anfang 1945 reiste Alfons Kempe von Breslau nach Tost in Oberschlesien, um als Geschäftsführer Angelegenheiten in der dortigen Schloss-Brauerei zu regeln. Das in Tost deutliche spürbare Herannahen der Ostfront beunruhigte ihn zutiefst. Nach seiner Rückkehr traf Alfons Kempe darum in Breslau Vorbereitungen für eine mögliche Flucht: Er ließ einen Wagen abfahrbereit machen und in der Brauereischreinere einen stabilen Holzkoffer für den Transport geschäftsrelevanter Unterlagen anfertigen.

Mit der Genehmigung des Reichsverteidigungskommisars konnte die Familie wenig später in Richtung Westen aufbrechen. Die Flucht im Wagen führte sie durch zahlreiche Stationen: Striegau, Goldberg, Görlitz, Bad Elster im Vogtland, Geringswalde in Sachsen. Immer dabei war der Koffer mit den wichtigen Papieren, zunächst verschlossen und ungeöffnet. Schließlich ließ sich die Familie in Korbach im Waldecker Land nieder.

Dort entfaltete der Koffer seine Bedeutung: Die darin enthaltenen Geschäftsunterlagen ermöglichten es Alfons Kempe, ehemaligen Beschäftigten aus Schlesien Zeugnisse und Bescheinigungen auszustellen. Für viele Geflüchtete waren solche Nachweise entscheidend, um in der neuen Umgebung Arbeit zu finden und wirtschaftlich wieder Fuß zu fassen. Der Koffer und sein Inhalt wurden damit zu einem Schlüssel des Neuanfangs – nicht nur für die Familie Kempe, sondern auch für andere Vertriebene.

Nach dem Tod Alfons Kempes im Jahr 1965 kümmerte sich dessen Sohn Hans-Joachim um die Verwaltung des Koffers. Später überließ er ihn der Stiftung Kulturwerk Schlesien, in deren Archiv er bis heute aufbewahrt wird.