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Der Reichsrat als politisches Instrument

Der Reichsrat als politisches Instrument

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Der Reichsrat war ein zentrales politisches Organ in der tschechischen Gesellschaft. Aufgrund der Geschäftsordnung war ein effizientes parlamentarisches Arbeiten jedoch kaum möglich. Jeder Abgeordnete durfte in seiner jeweiligen Muttersprache sprechen. Eine Begrenzung der Redezeit existierte nicht, und Dolmetscher standen nicht zur Verfügung. Im stenografischen Protokoll wurden zudem ausschließlich deutschsprachige Beiträge festgehalten. Reden tschechischer Abgeordneter blieben daher unberücksichtigt. Abgeordnete, die Abstimmungen verhindern oder verzögern wollten, nutzten diese Regelungen gezielt aus, indem sie äußerst lange Redebeiträge hielten (sogenannte Filibuster), um die Zuhörer zu ermüden. Teilweise wurden zu diesem Zweck sogar Gedichte vorgetragen, die nur von Abgeordneten mit derselben Muttersprache verstanden wurden. Besonders die tschechischen Abgeordneten bedienten sich dieser Form der Obstruktion, da sie die Zuständigkeit des Reichsrates für Böhmen und Mähren grundsätzlich infrage stellten. 

1907 wurde das allgemeine Wahlrecht für Männer eingeführt. Die wenigen Frauen, die zuvor aufgrund von Bildung oder Steuerleistung wahlberechtigt gewesen waren, verloren allerdings ihr Wahlrecht.