Der Versailler Vertrag regelte die deutsche Ostgrenze und die Westgrenze des neu gegründeten Staates Polen: Während Posen und Westpreußen für dessen Zugang zur Ostsee direkt an Polen abgetreten wurden, sah der Vertrag für das südliche Ostpreußen und Oberschlesien Volksabstimmungen vor. Die dortige Bevölkerung sollte entscheiden, ob sie zu Deutschland oder zu Polen gehören wollte. Aufgrund der oberschlesischen Industrie wollte Polen die Region für sich gewinnen. Bei dem in Oberschlesien leidenschaftlich geführten Wahlkampf kam es bis zur Abstimmung darum auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Bei der Volksabstimmung am 20. März 1921 entschieden sich rund 60 Prozent der oberschlesischen Bevölkerung für eine Zugehörigkeit zu Deutschland, während lediglich 40 Prozent für Polen stimmten. Dennoch wurde der südöstliche Teil von Oberschlesien, einschließlich des Kerngebietes der Industrie, Polen zugesprochen. Die im Versailler Vertrag festgelegte Grenze wurde weder von Polen noch der Weimarer Republik offiziell anerkannt. Das politische Klima zwischen beiden Ländern in der Zwischenkriegszeit blieb somit angespannt.
Zwischen Deutschland und Polen: Die umstrittene Zugehörigkeit der Ostgebiete
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© Prof. Dr. Ralph Wrobel
Karte vom Grenzverlauf nach dem Ersten Weltkrieg mit der Abtretung von Ostoberschlesien.
Die Curzon-Linie
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© Infografik WELT
Karte mit der ursprünglichen Ostgrenze Polens vor dem Ersten Weltkrieg, der Curzon-Linie und den neuen polnischen Ostgebieten nach dem Friedensvertrag von Riga.
Als Ostgrenze Polens wurde in Versailles die sogenannte Curzon-Linie festgelegt. Während des Polnisch-Sowjetischen Krieges 1919-1921 gelang es dem siegreichen Polen seine Ostgrenze etwa 200 Kilometer nach Osten zu verschieben. Der 1921 geschlossene Friedensvertrag von Riga gliederte somit weite Teile des heutigen Belarus und der westlichen Ukraine in den polnischen Staat ein.