Bis Ende 1945 war etwa eine Dreiviertelmillionen Flüchtlinge und Heimatvertriebene in Bayern angekommen. Bis zur Auflösung des letzten Auffanglagers 1963 sollten es rund zwei Millionen Neuankömmlinge werden, darunter 55 % Sudetendeutsche sowie Karpatendeutsche aus der Slowakei. Das bedeutete für Bayern einen Bevölkerungszuwachs von über 25 %.
Zunächst verteilte man die Heimatvertriebenen auf Lager. Nach ihrer Ankunft besaßen sie kaum mehr als ihr bisschen Vertreibungsgepäck und einen winzigen zugewiesenen Wohnraum. In einem zerstörten Land, ohne soziales Netzwerk und Arbeitsperspektive, nahmen viele zunächst Hilfsarbeiten, Heimarbeit oder andere schlecht bezahlte, fachfremde Tätigkeiten an, um zu überleben. Viele ehemals Selbständige gründeten wieder eigene Betriebe und schufen somit neben ihrer eigenen Lebensgrundlage auch neue Arbeitsplätze. Im Juni 1948 – zur Zeit der Währungsreform – waren von 590.000 Erwerbstätigen unter den Vertriebenen in Bayern nur 51.500 arbeitslos. Mit handwerklichen Fähigkeiten, Erfahrung aus verschiedenen Heimindustrien, praktischem Wissen und großem Fleiß trugen die Vertriebenen entscheidend zum wirtschaftlichen Aufschwung und somit zum Wandel Bayerns vom Agrarland zu einem Industriestandort bei.