Trudarmee (abgeleitet vom russischen „trud“ = „Arbeit“) ist ein euphemistischer Terminus für ein System der Zwangsarbeit, das in der Sowjetunion in den Jahren 1941–1946 vor allem für russlanddeutsche Jugendliche, Männer und Frauen aufgebaut wurde. Nach der Liquidation der ASSR der Wolgadeutschen und der Verbannung der deutschen Minderheit in den asiatischen Teil des Landes und ihrer weitgehenden Entrechtung nach dem Erlass vom 28. August 1941 schuf man für die Deutschen des Landes eine neue Lagerkategorie.
Merkmale der Zwangsarbeitslager:
- Unterbringung in von Stacheldraht umgebenen Baracken
- Arbeitseinsatz und Freizeit unter militärischer Bewachung
- Essens- und Verpflegungsrationen nach den Normen des GULag
- Verbot jeglicher nicht gebilligter Kontakte mit der zivilen Bevölkerung.
Eigenmächtiges Verlassen der zugewiesenen Einsatzortes wurde als Desertion bezeichnet und entsprechend geahndet. Die ankommenden Arbeitskräfte wurden in sog. Bautrupps eingeteilt. An der Spitze der Arbeitskolonnen standen andersethnische Vorgesetzte und Politoffiziere. Andere Zwangsarbeiter wiederum kamen in schon existierende Straflager, wo sie von den übrigen Häftlingen getrennt untergebracht und eingesetzt wurden.
Die Gesamtzahl der deutschen Zwangsarbeiter lag bei etwa 350.000. Demnach befand sich jeder Dritte während des Krieges in Arbeitslagern. Die Einberufungsquote lag für Männer bei 80 bis 90 Prozent, für Frauen bei etwa einem Drittel. Deutsche Familien wurden für viele Jahre getrennt. Viele Kinder kamen in Abwesenheit ihrer Verwandten in Kinderheime, wo sie andere Namen erhielten und in der Folge ihre Eltern nicht mehr finden konnten.