Der Erster Weltkrieg bedeutete für die Deutschen im Russischen Reich eine tiefgreifende Zäsur. Sie gerieten unter Generalverdacht der Illoyalität. Während 300.000 deutsche Männer in die russische Armee eingezogen wurden, setzte man die Deutschen zu Hause schwersten Repressionen aus, so durfte in der Öffentlichkeit und in der Kirche nicht mehr deutsch gesprochen werden. Rund 200.000 Deutsche aus den polnischen Gouvernements und 190.000 aus den Südwestgouvernements wurden in Gebiete östlich der Wolga, nach Sibirien, Kasachstan und Turkestan deportiert, ebenso weitere tausende Russlanddeutsche aus einem breiten Grenzstreifen zwischen Finnland und dem Kaspischen Meer.
Politische Umbrüche verschärften die Lage weiter: Nach der Machtübernahme der Bolschewiki 1917 führte der folgende Bürgerkrieg zu einer Hungersnot, die zwischen 1919 und 1922 allein unter den Wolgadeutschen über 100.000 Opfer forderte. Viele Deutsche entschlossen sich unter diesen Umständen zur Auswanderung nach Nord- und Südamerika. Eine weitere Maßnahme, von der viele Deutsche hart getroffen wurden, war die entschädigungslose Enteignung von Grund und Boden sowie die Trennung der Kirche vom Staat und der Schule von der Kirche. Auch territorial veränderte sich die Situation: Bessarabien fiel an Rumänien, die baltischen Staaten wurden unabhängig. Damit verloren viele Russlanddeutsche ihre bisherige staatsrechtliche Zugehörigkeit.