Noch vor dem deutsch- sowjetischen Krieg wurde der bei Leningrad geborene Michael Disterheft (1921-2005) in die Rote Armee einberufen. Mit dem Kriegsausbruch 1941, der sein Kunststudium durchkreuzte, landete er als Deutscher in der Kohlengrube des berüchtigten Bogoslowlag bei Karpinsk, wo er jahrelang hinter Stacheldraht schuftete. Bereits davor, 1937, war sein Vater im Zuge der stalinistischen „Säuberungen“ verschleppt und ermordet worden. Auch in den harten Kriegsjahren hörte er nie auf zu malen – schon 1945 fand in Swerdlowsk (Jekaterinburg) die erste Ausstellung des Malers statt. 1951 er wirkte Disterheft seine Verlegung als Sondersiedler nach Nischnij Tagil, wo er seine Kunstausbildung beendete. In den nächsten Jahrzehnten schuf der Künstler zahl reiche Ölbilder, Werke in Aquarell- und Pastelltechnik, Bleistift- und Kohlenstiftzeichnungen, Linolschnitte und Radierungen. Erst Mitte der 1980er Jahre nahm Mi chael Disterheft das Thema der Deportation und Zwangsarbeit in Angriff. Skizzen aus der Kriegszeit, in denen er Michael Disterheft Erniedrigungen, Hunger, Leid und Tod dokumentiert hatte, bildeten die Grundlage der Serie „In jenen Jahren“: 37 Zeichnungen mit Silber-, Rötelstift und Kohle, die ein erschütterndes Requiem für alle Verhafteten, De portierten und in den stalinistischen Gefängnissen und Lagern Ermordeten darstellen. Nachstehend jene Bilder des Zyklus (mit Disterhefts Texten), die sich mit dem Leid der Menschen in der so genannten Trudarmee befassen.
Michael Disterheft „In jenen Jahren“ – Requiem für alle Deportierten, Verbannten und Ermordeten
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