Nach der Volkszählung von 1989 bekannten sich rund 2 Millionen Deutsche in der damaligen Sowjetunion zu ihrem Volkstum. Es dürften aber tatsächlich mehr gewesen sein, weil zum Zeitpunkt der Erhebung das Bekenntnis zum Deutschtum noch mit persönlichen Risiken verbunden war. Es grenzt an ein Wunder, dass die Russlanddeutschen trotz ihrer Verstreuung und ihrer über 50 Jahre dauernden Unterdrückung ihre Zugehörigkeit und ihr Bekenntnis zur deutschen Volksgruppe bewahrten. Nach dem Verbot der Autonomiebewegung entfalteten sie in den 70er und 80er Jahren eine kulturelle Aktivität, mit der sie ihre Landsleute in der gesamten Sowjetunion für die Volksgruppe motivierten. Das 1980 als Wanderbühne gegründete „Deutsche Schauspieltheater Kasachstan“ in Temirtau übernahm in dieser „Volksgruppenpolitik durch Kultur“ die Rolle einer damals noch nicht bestehenden Volksgruppenvertretung. Im Zuge von Perestroika und Glasnost waren die meisten Russlanddeutschen optimistisch bezüglich einer Verwirklichung der Autonomie und sahen für sich Zukunftsperspektiven im Land. Die ersten Verbände und zahlreiche kulturelle Vereinigungen der Russlanddeutschen waren Zeichen ihres Selbstbewusstseins und ihres großen Willens, die eigene kulturelle Identität zu bewahren und zu pflegen.
Kulturelle Wiederbelebung in der Sowjetunion
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