Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam die Bezeichnung „Sudetendeutsche“ für die deutschsprachigen Einwohner der böhmischen Länder (Böhmen, Mähren, Schlesien sowie Teile der Lausitz) auf. Nach dem Zerfall des Habsburger Reiches löste der Begriff die im 19. Jahrhundert verwendete Sammelbezeichnung der "Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien" ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Vertreibung setzte sich der Name für alle 1945/46 aus der Tschechoslowakei umgesiedelten Deutschen um.
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Länder der Böhmischen Krone (rot hervorgehoben) innerhalb Österreich-Ungarns, 1910.
Die Sudeten im Vielvölkerstaat um 1900
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Unter der Herrschaft von Kaiser Franz Josephs I. wurde die Nationalitätenfrage in Österreich-Ungarn ein zentrales Thema.
Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation 1806 fielen Böhmen, Mähren und Schlesien zum Kaisertum Österreich, ab 1867 gehörten sie schließlich zur westlichen Reichshälfte von Österreich-Ungarn. Die sudetendeutsche Minderheit litt unter den nationalrechtlichen Bestimmungen des Vielvölkerstaates. Auseinandersetzungen zwischen national orientierten deutschen und tschechischen Parteien im Reichsrat waren keine Seltenheit. Dennoch gelang es Kaiser Franz Joseph, die verschiedenen Volksgruppen zusammenzuhalten und für eine gewisse Stabilität zu sorgen. Unter seiner Herrschaft wurde der bestehende Zentralismus zwar nicht durch einen Föderalismus ersetzt, dennoch entstanden zumindest für Teilgebiete des Reiches Lösungsansätze, etwa der Mährische Ausgleich von 1905. Eine dauerhafte Lösung des Nationalitätenkonflikts konnten seine Maßnahmen jedoch nicht erreichen.