Die Vertriebenen wurden von den Alliierten ohne Rücksicht auf örtliche Zusammengehörigkeit waggonweise auf ihre neuen Bestimmungsorte verteilt – und zwar wegen der Zerstörung vieler Städte überwiegend auf ländliche Regionen. Die meisten Vertriebenen fanden schließlich in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, also in der sowjetischen und britischen Zone, Aufnahme. Der Empfang fiel jedoch nicht immer freundlich aus, denn auch dort litten die Menschen unter Hunger, Wohnungsnot und anderen Nachwirkungen des Krieges. Häufig konnten Einquartierungen nur mithilfe polizeilicher Zwangseinweisung durchgesetzt werden, da viele Einheimische ihre Türen verschlossen und die Neuankömmlinge abwiesen. Gleichzeitig kam es aber auch zu Gesten der Nächstenliebe und spontaner Unterstützung.
Willkommen in West- und Mitteldeutschland?
Aussiedler oder Umsiedler?
Flüchtlinge und Vertriebene, die in der sowjetisch besetzten Zone Aufnahme fanden, erlebten 1949 die Gründung der DDR und anschließend sukzessive die weitere Umgestaltung ihrer Lebensverhältnisse innerhalb eines unfreien, sozialistischen Staatssystems. Die offiziell als „Umsiedler“, bald nur noch als „ehemalige Umsiedler“ bezeichneten Menschen wurden je nach sozialem Hintergrund unterschiedlich behandelt. Während sich Arbeiter und Bauern durch Weiterbildungsprogramme und Landzuteilungen zunächst oft verbessern konnten, hatten Akademiker und Angehörige des Adels schlechtere Chancen. So entschieden sich viele in der DDR gelandete Ostvertriebene bis zum Bau der Berliner Mauer zu einer weiteren Flucht, nunmehr in das westliche Deutschland.